Getrieben von lehrerseniler Bettflucht wache ich schon um 07:15 auf. Erst mal gemütlich Duschen, doch was dann? Vom Hörensagen her weiss ich, dass Kreuzberg vor 10 Uhr noch nicht so recht wach sein soll. Deswegen haben wir für heute auch erst später abgemacht – wir wollen uns zuerst mal einen Schoko-Chilli-Kuchen zum Frühstück gönnen und dann weiter an die Oranienstrasse ein paar Läden besuchen, die ich kenne, und ins Museum der Dinge.
Bis dahin will ich mich aber erst mal ins Café des Hotels setzen. Kuschlig warm, nette Musik in angenehmer Lautstärke, einen guten Schwarztee für 1.50€ und – das ist wichtig – W-Lan. Vorher gehe ich aber noch kurz auf die Strasse vor dem Hotel um mich zu vergewissern, ob Kreuzberg wirklich noch schläft. Hier also ein ‚Zeit-Dokument‘; die Schlesische Strasse um 08:11, fotographiert gen Osten (sic!):
Das zarte Rosa der Morgensonne kommt nicht so recht zum Ausdruck; vollkommen verschlafen sieht es aber sicher nicht aus. Ich setze mich anschliessend in besagtes Café und beobachte die Leute ein wenig. Ein englischsprachiger Tourist freut sich über sein Rührei mit Speck, ein Business-Medienmann-Typ arbeitet eifrig mit seinem Notebook und seiner Agenda. Der Freund der Bedienung wankt schlaftrunken zur Tür herein und gibt ihr einen Gutenmorgenkuss, ehe er zur Arbeit geht. Ein älterer Herr unterhält sich über die Oper. Und da ich von meinem Beobachtungspunkt den Hotelausgang im Blick habe, kann ich sagen, dass bis um 09:00 keiner und keine aus unserer Gruppe das Hotel verlassen hat.
Nun gut, wir waren gestern mit der halben Klasse bis um 10:30 beim Asiaten vis-à-vis (im Chung, Essen war ok, viel Platz und eine sehr zuvorkommende Bedienung). Einige Leute wollten danach noch weiter an die ominöse Simon-Dach-Strasse Kneipentour machen und so… Das dürfte dann wohl etwas später geworden sein.
Jetzt ist es mittlwerweile 09:30. Die Sonne scheint auf der Strasse draussen und von unserer Gruppe hat sich noch immer niemand blicken lassen. Das bringt mich zu dem nicht unerwarteten Fazit: In Kreuzberg schläft man länger – wenn man es sich denn leisten kann.
